Das Dohlenloch in der Bründleflue (Widderfeld/Pilatus)

Das Dohlenloch ist ein Beleg dafür, dass sich auch in der Nordflanke des Widderfeldes Karsthöhlen befinden und nicht nur auf der Südseite mit dem bekannten Mondmilchloch.

Die Bründlefue (Widderfeld-Nordflanke) am Pilatus mit dem erst 2006 von M. Trüssel entdeckten Dohlenloch und dem seit über 200 Jahren bekannten Dominiloch. Foto: Kilian Schuster, 23. Mai 2010, Beschriftung: M. Trüssel.

Der Abstieg zur Höhle erfolgt mit Seilsicherung. Entdeckt wurde die Höhle, als Martin Trüssel von einer Felskanzel aus sah, wie Bergdohlen im Sturzflug in einem Bodenloch verschwanden, um kurz darauf wieder aufzutauchen. Er kletterte im Alleingang hinunter und stiess tatsächlich auf einen Höhleneingang. Die Höhle wurde zwei Jahres danach im Spätherbst erforscht und vermessen. Bis weit in den Sommer hinein liegt im Höhlenschacht noch Triebschnee.

Der Einstieg ins Dohlenloch mit seinem mäanderartigen Eingang. Fotos: 29. Sept. 2008, M. Trüssel.
Der Einstieg ins Dohlenloch mit seinem mäanderartigen Eingang. Fotos: 29. Sept. 2008, M. Trüssel.

Das Dohlenloch befindet sich auf der der gegenüberliegenden Seite des Widderfeldes hoch über der Alp „Bründle“. Es entstand durch (eiszeitliche) Schmelzwasserbäche, die im Schrattenkalk einen Weg in den Untergrund fanden.

Geologischer Schnitt durchs Widderfeld mit dem Mondmilchloch im Süden und dem Dohlenloch im Norden.
Geologischer Schnitt aus dem Jahr 1894 durchs Widderfeld mit dem Mondmilchloch im Süden und dem Dohlenloch im Norden.

Der Eingangsteil besteht aus einem über 1m breiten und bis zu 3 m hohen Mäander, der grösstenteils nach oben bis zur Erdoberfläche offen ist.

Der weitere Abstieg ins Dohlenloch.
Der weitere Abstieg ins Dohlenloch.
Pankraz Trüssel im überraschend grossräumigen Schacht im mittleren Teil des Dohlenlochs.
Pankraz Trüssel im überraschend grossräumigen Schacht im mittleren Teil des Dohlenlochs.

Nach einem überraschend grossräumigen Schacht gelangt man an ein Felstor. Bei diesem wird der im Winter eingewehte Schnee zurück gehalten.  Das relativ grosse Geröllvorkommen und der wahrscheinlich über lange Zeit durch Eis und Schnee «versiegelte» mittlere und untere Höhlenteil könnten eine Erklärung dafür sein, warum praktisch keine Tierknochen auffindbar waren. Die schachtartige Höhlenanlage an sich würde als Tierfalle in Frage kommen.

Letzte Schnee- und Firnreste im unteren Bereich der Schachthöhle im September 2008.
Letzte Schnee- und Firnreste im unteren Bereich der Schachthöhle im September 2008.

Nach einem Felstor weitet sich die Gangdecke sogleich wieder, weil ab hier eine Kluft dominiert. Aus der «offenen» Kluft sind einzelne, aber z.T. grosse Felspartien ausgebrochen. Die Fortsetzung der Höhle endet hier, da unter einem solchem Kluftblock eine Geröllbahn die Fortsetzung verstopft hat.

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