DNA von uralten und „modernen“ Steinböcken entschlüsselt

Die NeKO-Stiftung konnte mit verschiedenen Steinbock-Skelettfunden aus Karsthöhlen dazu beitragen, dass die genetische Herkunft des Alpensteinbocks auch bei uralten Skeletten untersucht werden konnte. Mathieu Robin hat dazu eine Masterarbeit am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich abgeschlossen.

Steinböcke haben in Obwalden schon vor 9000 Jahren gelebt, wie die Knochenfunde aus den Karsthöhlen zeigen. Im Bild eine Steinbockgruppe in nächster Nähe des Fikenlochs (Melchsee-Frutt OW), wo auch ein Jahrtausende alter Steinbock-Friedhof entdeckt worden ist. Melchsee-Frutt. Foto: 16. Oktober 2005, M. Trüssel.

Mathieu Robin: «Die Proben, die Martin Trüssel von der NeKO-Stiftung in den Karsthöhlen der Randkette zwischen Pilatus und Schratteflue sowie der Melchsee-Frutt entdeckt und geborgen hat sowie C14-Altersdatierungen machen liess, waren von unschätzbarem Wert für die Arbeit!» Und weiter: «Dass wir diese Proben zur Verfügung hatten, war entscheidend, um die Forschungsergebnisse zu komplettieren.»

Jahrtausendealte Steinbock-Knochenreste unter einer dicken, mehrlagigen Lehmschicht. Sie haben wertvolle Informationen zur DNA der ehemaligen Steinbock-Bestände gegeben (Edisloch; „Rutschbahn“, 18. Juli 2015). Foto: M. Trüssel.

Um die gegenwärtige Situation einer Tierart zu verstehen, ist es wichtig, ihre Vergangenheit zu kennen. Als repräsentatives Beispiel für eine stark anthropogen beeinflusste Art wurde die genetische Geschichte des Alpensteinbocks untersucht. Der Alpensteinbock ist einer von mehreren grossen Säugetieren, die im 19. Jahrhundert fast ausgestorben waren, aber aufgrund intensiver Bemühungen um Erhaltung gerettet werden konnten.

Steinbock-Knochen aus dem Fikenloch, Melchsee-Frutt. Jetzt konnte von diesen 4555 (+/-70) Jahre alten Knochen die DNA erfolgreich ermittelt werden. Foto: M. Trüssel.

Es konnten 12 von 17 Steinbockproben aus Museen und Höhlen von 75 BP bis 8600 BP Jahren erfolgreich untersucht werden. Besonders hervorzuheben ist, dass alle Proben aus den Karsthöhlen eine ausreichende Menge an DNA für die Tiefensequenzierung lieferten. Die Höhlenproben ergaben möglicherweise bessere Ergebnisse aufgrund der niedrigen und stabilen Temperatur in den Höhlen.

Geborgene und gewaschene Steinbockknochen aus dem Edisloch („Rutschbahn“, Messpunkt MP1/35). Foto: 20. Juli 2015, M. Trüssel.

Die genetische Vielfalt der modernen Schweizer und Gran Paradiso Steinbockpopulationen war im Vergleich zu anderen Huftierarten sehr gering. Die Geschichte des Alpensteinbocks stellt das Schicksal einer Art dar, die vom Aussterben bedroht ist, sich anschliessend wieder erholt hat, aber einen grossen Teil ihrer früheren genetischen Vielfalt unwiederbringlich verloren hat.

Eine Zusammenfassung der Masterarbeit findet sich hier.