Historisches zum Mondmilchloch am Pilatus

Das Mondmilchloch ist seit Jahrhunderten sagenumwoben. Der Zustieg zur Höhle an der Südflanke des Widderfeldes hat Franz Ludwig Pfyffer von Wyher aufgrund seiner offenbar äusserst eindrücklichen Höhlenerkundung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im „Relief der Urschweiz“ eingetragen. Das Relief entstand zwischen 1762 und 1786 im Massstab von ca. 1:11’500.

Ausschnitt aus Pfyffer-Relief 1786
Ausschnitt aus dem „Relief der Urschweiz“ von Franz Ludwig Pfyffer von Wyher. Es entstand zwischen 1762 und 1786. Pfyffer hatte schon damals den Zustieg zum Mondmilchloch auf dem Relief integriert (innerhalb des roten Ovals). Foto: Robert Wicki (Gletschergarten Luzern), 3. April 2019
"Relief der Urschweiz" im Gletschergarten Luzern von Franz Ludwig Pfyffer.
Das berühmte „Relief der Urschweiz“ von Franz Ludwig Pfyffer, das 1786 fertiggestellt wurde. Es ist aus 136 Elementen zusammengefügt worden. Diese topografische Höchstleistung war Vorbild für die folgenden Kartografengenerationen. Das Relief ist als Dauerleihgabe im Gletschergarten Luzern zu besichtigen. Foto: Thomas Zimmermann (Gletschergarten Luzern), 21. Mai 2009

Am Rand des kleinen Höhlenbachs befinden sich noch heute Hölzer, die zur Überwindung der kleinen Wasserfallstufen genutzt worden sind und z.T. noch benutzt werden. Eine Altersdatierung hat ergeben, dass diese Hölzer im 18. Jahrhundert geschlagen worden sind. Wahrscheinlich sind es Zeitzeugen aus der schriftlich dokumentierten Höhlenerkundung durch Franz Ludwig Pfyffer im Jahr 1756.

Hölzer im Mondmilchloch aus dem 18. Jahrhundert.
Bis zu 3 m lange Baumstämme und Hölzer im Mondmilchloch. Eine dendrochronologische Datierung durch Janine Heini hat ergeben, dass diese aus der Zeit stammen, als Franz Ludwig Pfyffer 1756 die Höhle erkundete. Pfyffer schrieb in seinem Tagebuch, er und seine Mitstreiter hätten zur Überwindung der kleinen Wasserfälle dünne Baumstämme in die Höhle geschleppt. Foto: Kurt Heini, 8. Mai 2011

130 Jahre nach Pfyffers Höhlenerkundung hat Ferdinand Schär für den SAC Pilatus die Höhle dokumentiert und einen Längsschnitt gezeichnet. Es ist einer der ältesten Höhlenpläne mit beeindruckend hoher Genauigkeit hinsichtlich Ausdehnung und Volumen.

Historischer Mondmilchloch-Plan von Ferdinand Schär.
1894 erstellte Ferdinand Schär für den SAC Pilatus einen Höhlenplan vom Mondmilchloch und ergänzte diesen mit einem geologischen Schnitt durchs Widderfeld. Aus: „Beilage zum Jahrbuch XXX S.A.C 1895“.

Zahlreiche Sagen ranken um den Pilatus mit seinen Drachen, die im Mondmilchloch gehaust haben sollen. Es gibt am Pilatus nur wenige Höhlen. Das Mondmilchloch ist jenes, das am einfachsten zugänglich ist und durch seine grosse Eingangshalle und dem weiterführenden Wasserlauf so manchen Verwegenen auf der Suche nach Mondmilch, die 1555 durch Conrad Gesner bekannt geworden ist, angelockt hat.

Weiträumige Eingangshalle des Mondmilchlochs. Hier sollen gemäss der Pilatus-Sagen Drachen gehaust haben. Konkret wurden Knochen des Ende der letzten Eiszeit ausgestorbenen Höhlenbären (Ursus spelaeus) gefunden. Foto: Armin Lauber, 5. Sept. 2018.

Buchtipp: „Pilatus. Eine sagenumwobene Natur- und Kulturgeschichte“, Janine Heini, 2015 (2. Auflage), Verlag Pro Libro, Luzern. ISBN 978-3-905927-37-5.

Kein Berg hat in der Beurteilung und im Empfinden der Menschen im Laufe der Zeit tiefergehende Wandlungen erfahren als der Pilatus. Janine Heini hat im Rahmen ihrer Maturaarbeit dessen Bedeutung für die Kultur- und Naturgeschichte und für die Entstehung der Kenntnisse über die Alpen untersucht und beschreibt den Wandel vom einstigen Schrecken hin zur Faszination. Von der Stiftung Schweizer Jugend forscht wurde die Autorin für ihre Arbeit mit dem Prädikat „hervorragend“ ausgezeichnet und sie erhielt den Sonderpreis des Eidg. Departements des Inneren (EDI).