Kleinwüchsiges Rind als Beispiel der Entwicklung in der Nutztierzüchtung

Im Erlenschacht (M63) der Melchsee-Frutt wurde ein nahezu vollständiges Skelett eines kleinwüchsigen Rindes aus dem Mittelalter entdeckt. Das weibliche, zweijährige Individuum hatte eine Widerristhöhe (Schulterhöhe) von nur etwa 1 m. Welch ein frappanter Unterschied zu den heutigen Fleckvieh-Rassen mit 1,6 m Widerristhöhe. Das sogenannte „Erlenschachtrind“ mit einer Schädellänge von knapp 20 cm hat gemäss einer C14-Datierung im Mittelalter im Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert gelebt.

Kleinswüchsiges Rind aus dem Erlenschacht der Melchsee-Frutt (845 +/-45 y BP).
Was für ein Unterschied: Das kleinwüchsige Rind aus dem Erlenschacht (M63), das im Übergang vom 11. zum 12. Jahrhundert auf der Melchsee-Frutt gelebt hat (Schädel rechts), im Vergleich mit einem heutigen Schädel eines ausgewachsenen Rindes. Der Vergleich zeigt die Entwicklung in der Nutztierzüchtung in den letzten Jahrhunderten. Foto: M. Trüssel

Seit der Aufnahme der Karst- und Höhlenforschung in Obwalden konnten in weiteren Obwaldner Gemeinden zahlreiche Skelettreste von verschiedenen Nutztieren (Rind, Schaf und Ziege) gefunden und bestimmt werden. Sie könnten wertvolle Aufschlüsse über die Nutztier-Züchtungsentwicklung in den vergangenen Jahrhunderten im zentralen Alpenraum geben.

Eine kleine Höhle (Bockiloch) mit vielen Nutztier-Skelettresten befindet sich im weitläufigen Alpgebiet Arni zwischen Giswilerstock und Brienzer Rothorn. Während die obersten noch aus dem vorigen Jahrhundert stammen, könnten in tieferen Schichten solche aus den Anfängen der Alpbesiedlung zum Vorschein kommen.

Der Eingang in das Bockiloch (Bockloch) am Fuss des Arnitriste auf knapp 1900 m ü.M. Hier wurden wahrscheinlich über Jahrhunderte auf der Alp verendete Nutztiere entsorgt – aus heutiger Sicht ein Fundus für die Erforschung alter Nutztier-Rassen. Im Bild der Giswiler Gemeinderat Thomas Burch, einer der wenigen, der noch wusste, wo sich diese Höhle befindet. Foto: M. Trüssel, 22. Juli 2017.